Pressemitteilung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026 in Luckenwalde
Anlässlich des diesjährigen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt Luckenwalde erklären die Vorsitzenden der Fraktionen SPD/Grüne, Die Linke/LÖS und CDU, Matthias Grunert, Felix Thier und Nadine Walbrach:
Die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus ist für die Stadt Luckenwalde ein fester Bestandteil der Erinnerungskultur. Sie ist ein Moment demokratischer Selbstvergewisserung. Sie verlangt Klarheit, Sensibilität und eine Sprache, die weder relativiert noch verschiebt. Das Gedenken gilt den Opfern – nicht politischen Deutungen der Gegenwart.
In Luckenwalde ist es seit Jahren Tradition, dass die Redebeiträge zum Holocaustgedenken im jährlichen Wechsel unter den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung rotieren. Im Jahr 2026 übernimmt dies die Fraktion der GfL. Sie hat hierfür den Stadtverordneten Manuel Hurtig nominiert.
Vor diesem Hintergrund werden die Fraktionen SPD/Grüne, Die Linke/LÖS und CDU daher während der Veranstaltung Fotos von Luckenwalderinnen und Luckenwaldern zeigen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden. Ihre Gesichter stehen für die konkrete Verantwortung unserer Stadtgeschichte und sollen deutlich machen, dass Erinnerung nicht abstrakt, sondern persönlich ist. Der Blick soll sich zu diesem Gedenken bewusst auf die Menschen richten, um die es an diesem Tag geht: auf ihre Namen, ihr Leben und ihr Schicksal.
Die Initiative ist bewusst unabhängig vom Inhalt der Rede angelegt. Sie macht jedoch deutlich: Jede Form der Verharmlosung, der Täter-Opfer-Umkehr oder der Selbstinszenierung als vermeintlich Verfolgte widerspricht dem Sinn dieses Gedenkens. Die Gesichter der Opfer setzen einen Maßstab, an dem sich jede Rede messen lassen muss. Denn Erinnerung heißt, den Opfern Raum zu geben – unabhängig davon, wer spricht.
Dazu erklären:
Matthias Grunert: „Gedenken verlangt Haltung und Wahrhaftigkeit. Es geht um die Opfer des Holocaust, um Menschen, die verfolgt und ermordet wurden. Erinnern darf nicht zu einem bloßen Ritual werden. Es verlangt Übereinstimmung zwischen Worten und Haltung. Heute gedenken wir im Bewusstsein und im Angesicht der Opfer, dass ehrliches Erinnern nur dort möglich ist, wo Verantwortung im Hier und Heute auch gelebt wird.“
Felix Thier: „Erinnerung darf nicht neutral sein, wenn es um Unrecht geht. Sie muss Haltung zeigen. Die Gesichter der Opfer erinnern uns daran, dass der Nationalsozialismus mitten aus unserer Stadt heraus gewirkt hat. Wer hier heute für unsere Stadt spricht, spricht vor ihnen – nicht über sich.“
Nadine Walbrach: „Wir erinnern an die Menschen, denen durch den menschenverachtenden Nationalsozialismus Leben, Würde und Zukunft genommen wurden. Er steht für unfassbares Leid und millionenfaches Verbrechen. Die Opfer waren auch Menschen unserer Stadt. Ihre Namen, Gesichter und Geschichten gehören in den Mittelpunkt. Ihnen schulden wir ein respektvolles, ernsthaftes Gedenken – und die Verantwortung, dass sich solches Unrecht niemals wiederholt.“
Zum Hintergrund
Unsere Fraktionen stellen nicht das Recht der GfL-Fraktion infrage, turnusgemäß die Gedenkrede zu halten. Kritisch sehen wir jedoch die Benennung von Manuel Hurtig als Redner.
Herr Hurtig hat als gewählter Stadtverordneter im Dezember 2024 öffentlich „Demokratie“ zu seinem persönlichen „Unwort des Jahres“ erklärt. Zudem verwendete er Ende 2024 in sozialen Netzwerken im Zusammenhang mit einem Zitat von Ernst Moritz Arndt den Hashtag „Remigration“.
Der Begriff „Remigration“ ist ein politischer Kampfbegriff der Neuen Rechten und wurde als Beschönigung für Vertreibung und Deportation etabliert. Eine unabhängige Jury wählte ihn zum „Unwort des Jahres 2023“ in Deutschland. Seit dem Treffen rechtsextremer Akteure in Potsdam im November 2023 ist bekannt, dass mit diesem Begriff auch die sogenannte „Rückführung“ von Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft gemeint ist. Dies widerspricht dem Grundsatz der Menschenwürde und dem Gleichheitsgebot unseres Grundgesetzes.
Es ist verstörend, wenn sich Herr Hurtig solches Gedankengut zu eigen und öffentlich macht. Damit stellt sich aus unserer Sicht ein gewählter Stadtverordneter der Demokratie und dem Grundprinzip unseres Landes entgegen. Dass solches Gedankengut innerhalb der GfL unwidersprochen bleibt, muss die GfL intern klären. Das sie Manuel Hurtig als Redner zum Gedenken an das menschenverachtende Handeln der Nationalsozialisten vorschlägt, ist aus unserer Sicht inakzeptabel; zumindest aber provozierend und wird dem Anlass nicht gerecht.
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