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Martin Zeiler

Martin Zeiler

Wider den Antisemitismus!

Am 9. Oktober kam es zu einem antisemitischen Anschlag in Halle (Saale). Die verschlossene Tür der Synagoge konnte ein Massaker an Jüdinnen und Juden verhindern. Aus Frustration darüber brachte der Täter zwei andere Menschen brutal und kaltblütig um.

Antisemitismus ist in Deutschland immer noch allgegenwärtig; sowohl von rechts, von religiöser, aber auch von linker Seite. Ganz gleich, ob in Form von Beleidigungen, wie »du Jude(nsau)« auf Schulhöfen und bei Sportveranstaltungen, den verbalen Entgleisungen von Politikern, wie Stephan Brandner und Donatus Schmidt (beide AfD) oder die Infragestellung des Staates Israel (Antizionismus). Sogar DIE LINKE hat und hatte in der Vergangenheit so ihre Schwierigkeiten sich im Nahostkonflikt zu verorten, wie der Umgang mit BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) deutlich aufzeigt.

Der Kampf gegen jedweden Antisemitismus, der im Holocaust des Nationalsozialismus seinen schrecklichen Höhepunkt fand, ist Teil unserer Identität. Dieses beispiellose Verbrechen öffentlich zu mahnen, ist Kernaufgabe linker Politik. Bei netten Worten darf es jedoch nicht bleiben, Taten müssen folgen. Wir sollten daher im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten jede Gelegenheit nutzen, um uns mit jüdischem Leben zu solidarisieren und verbunden zeigen. Einer dieser Anlässe war zum Beispiel der 9. November.

Auf Initiative der evangelischen Kirchengemeinde Luckenwalde fand anlässlich der Reichskristallnacht eine Veranstaltung auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof statt. Pastorin Daser fand bewegende Worte, die an die Gräueltaten Nazideutschlands erinnerten. Sie zeigte auf, welche Parallelen es zur heutigen Geschichte gibt. Politiker werden in Parlamente gewählt, die laut Gerichtsbeschluss Faschisten genannt werden dürfen.

Sie forderte alle demokratisch gesinnten Kräfte auf, eine Wiederholung dieser Geschichte nicht zuzulassen. Enttäuschend für mich war, dass nur sehr wenige Mitglieder der Partei DIE LINKE anwesend waren. Der Vorschlag einer Basisgruppe, nach dem Vorfall in Halle zu diesem Thema Gesicht zu zeigen, hat weder den Kreis- noch den Stadtverband wirklich erreicht. Ist dieses Thema anlässlich der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestages der Maueröffnung in den Hintergrund gerückt?

Eine stärkere Auseinandersetzung mit jüdischem Leben hinter den Stolpersteinen, hinter denen ein menschliches Schicksal steckt, wie es Pfarrer Riemer im Anschluss darlegte, sollte auch für uns Priorität haben.