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Herbert (2. v. r.), wie wir ihn in Erinnerung behalten werden: Engagiert, diskutierend, links.

Felix Thier, Kreisvorsitzender

Genosse Herbert Fiedler verstorben

Wir trauern. Doch wir sind dankbar und stolz, dass er unser Genosse war.

Dr. Herbert Fiedler ist am 19. September 2019 im Alter von 93 Jahren in Luckenwalde gestorben und hat uns damit nach einem langen und erfüllten Leben verlassen.

Den Recherchen von Dr. Herbert Fiedler und seiner bereits verstorbenen Frau Ruth ist es zu verdanken, dass ein ebenso schmerzliches wie bedeutsames Kapitel unserer Heimatgeschichte der Vergangenheit entrissen wurde - das der Hachschara-Bewegung im Landwerk Ahrensdorf bei Trebbin. Dort lebten und lernten von 1936 bis 1941 rund 300 jüdische Kinder und Jugendliche und bereiteten sich auf ihre Ausreise nach Palästina vor. Das Landwerk war für Monate oder Jahre die Heimstätte dieser jungen Menschen und, wie wir wissen, ihre einzige Chance zum Überleben.

Herbert Fiedler hielt bis ins hohe Alter die Erinnerung an das Hachschara-Landwerk wach. Mit Vorträgen, Büchern, Video-Dokumentationen, Schulprojekten, Ausstellungen und vielem mehr wurde von Dr. Fiedler dafür gesorgt, dass die leidvolle Geschichte von Krieg und Verbrechen aufgenommen und vor allem an die junge Generation weitergegeben wird.

Bis zuletzt unterhielt Dr. Fiedler Kontakte in die ganze Welt und insbesondere nach Israel zu den damaligen Flüchtlingen bzw. deren Familien und Nachkommen. Zahllose Reisen und Besuche nach Israel zeugten davon. Er war es, der den maßgeblichen Kontakt mit den Überlebenden der Hachschara-Stätte aufbaute und so die umfangreiche Forschung zu diesem bedeutenden und zur Erinnerung verpflichtenden Teil deutscher Geschichte erst so tiefgründig ermöglichte.

Die Erkenntnisse aus den Forschungen waren auch maßgebliche Inspirationsquelle für den schweizerischen Schriftsteller Urs Faes für seinen eindrucksvollen Roman "Sommer in Brandenburg", welcher bereits in der 2. Auflage erschienen ist.

Vor wenigen Jahren hat Dr. Herbert Fiedler sein umfangreichen Forschungsarchiv dem Archiv des Landkreises Teltow-Fläming übergeben. Bereits früher sind aber auch erhebliche Teile der Hachschara-Forschung in das Brandenburgische Landeshauptarchiv übernommen worden.

Herbert Fiedler war bis zum Schluss Mitglied unserer Partei und in ihr engagiert. Sein Rat und seine Meinung waren gefragt, er wurde von allen respektiert und auch über politische Grenzen hinweg anerkannt und geehrt.

Wir vermissen ihn. Wir werden ihn und sein Wirken in ehrender Erinnerung behalten.