Denkmaleinweihung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung in Luckenwalde
Am 7. April 1933 wurden durch die Nationalsozialisten in Luckenwalde Bücher verbrannt.
Auf den Tag genau wurde 93 Jahre später nun am Ort des Geschehens ein Denkmal errichtet. Oder besser gesagt in den Boden gelassen - denn das Denkmal ist ein Bodenrelief. Finanziert wurde das Werk zu gleichen Teilen aus Mitteln der Stadt Luckenwalde und der Landesregierung Brandenburg.
Bei der feierlichen Einweihung waren heute neben Bürgermeister Jochen Neumann (parteilos) und Vertreter*innen der Stadtpolitik auch die Künstler des Reliefs zugegen. Als Gast und Vertreter des Fördermittelgebers weilte Ministerpräsident Dietmar Woidke für die Landesregierung unter den Anwesenden und sprach zu allen. Dirk Lausch trug ausgewählte Texte von Autoren bzw. Werke vor, die damals Opfer der Flammen wurden.
Mit den Anstoß zu dem jetzt eingeweihten Denkmal gab unsere Fraktion im Luckenwalder Stadtparlament vor gut einem Jahr. Damals stellten wir einen entsprechenden Antrag an die Stadtverordnetenversammlung, der das würdige und vor allem regelmäßige Erinnern und Gedenken an die Bücherverbrennung zum Thema hatte.
Als Vertreter unserer Fraktion, und damit in gewisser Weise als Initiator des nun eingeweihten Denkmlas, sprach unser Fraktionsvorsitzender Felix Thier zu den Anwesenden:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Woidke, sehr geehrter Herr Bürgermeister Neumann, werte Bürgerinnen und Bürger,
vor 93 Jahren hat sich an diesem Ort Verwerfliches zugetragen:
„Ein Zug aus Hitlerjugend, Jungvolk, Bund Deutscher Mädel und Jungmädelgruppen bewegte sich, gefolgt von Einheiten der SS und SA sowie einer ,riesigen Menschenmenge‘, mit Wagen voller Bücher in Richtung Marktplatz. Dort wurden die Bücher aufgehäuft und schließlich in Brand gesetzt.“
So beschreibt es Detlev Riemer in seinem Beitrag über Luckenwalde im Sammelband „Orte der Bücherverbrennung in Deutschland 1933“.
Und doch müssen wir davon ausgehen, dass das, was hier geschah, noch weit schlimmer war, als es Worte und Berichte je wiedergeben können.
Für uns Linke gilt: Erinnern heißt Gedenken. Erinnerung braucht Orte – Orte, an denen Geschichte sichtbar wird, an denen innegehalten werden kann, an denen wir gemeinsam nachdenken und uns unserer Verantwortung bewusst werden; nie wieder Faschismus.
Erinnerung ist daher kein rein persönlicher Akt; sie lebt von der Gemeinschaft, vom Austausch, von der Begegnung.
Umso bedeutsamer ist es, dass mit der heutigen Verlegung dieser Bodenplatte ein solcher Ort geschaffen wurde. Ein Ort, der das Geschehene nicht nur in unser Bewusstsein ruft und dort hält, sondern es dauerhaft im öffentlichen Raum verankert. Ein Ort, an dem heute und in Zukunft erinnert und gedacht werden kann.
Wir tragen keine Verantwortung für das, was damals geschehen ist. Aber wir tragen Verantwortung dafür, dass es nicht vergessen wird – dass die Erinnerung und die Lehre, die uns die Geschichte vor Augen führt, lebendig bleibt. Mit diesem Denkmal wird sie ab dem heutigen Tage auch sichtbar.
Vor etwas mehr als einem Jahr setzte meine Fraktion mit einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung den Impuls für die mahnende Erinnerung an die Bücherverbrennung in unserer Stadt. So regten wir an, jährlich eine öffentliche Gedenkveranstaltung am Marktplatz abzuhalten und dass die Stadtverwaltung die Errichtung einer Bodenplatte am Ort des Geschehens vom 7. April 1933 prüfen möge.
Heute nun können wir hier gemeinsam an dem würdigen Ergebnis stehen. Wir danken Land und Stadt für die bereitgestellten Mittel zur Realisierung dieses Mahnmales.
"Luckenwalde steht links."
Theodor Fontane (1819-1898), Wanderungen durch die Mark Brandenburg
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