7. Oktober 2017

Bundestagswahlkreis 62 - eine Auswertung

Hatte sogar Gregor Gysi (l.) im Wahlkampf zu Gast: Carsten Preuß (2.v.l.) (Fotos: privat)

Zuallererst sagen wir DANKE an alle Genossinnen und Genossen, an die Helferinnen und Helfer für einen engagierten Wahlkampf.

In unserem Kreisverband wurden wieder mehr Erst- als Zweitstimmen (1,5-2 %) vergeben, was auch das souveräne und sachkundige Auftreten unseres Direktkandidaten Carsten Preuß widerspiegelt. Die Veranstaltungen in Zossen, Blankenfelde-Mahlow, Rangsdorf, Großbeeren oder Am Mellensee bzw. die Info-Stände in Trebbin, Dahme/ Mark und Luckenwalde stellen dies unter Beweis und zeigen das aktive und bürgernahe Zusammenwirken zwischen Direktkandidaten und Wahlkämpfern der Basis.

Insbesondere bei den Zweitstimmen lagen wir in allen Kommunen hinter der AfD auf dem 4. Platz, außer in Ludwigsfelde (gehört zum Wahlkreis 61). Diese Tendenz ist in allen neuen Bundesländern (außer Berlin) für die LINKE zu verzeichnen.

Besonders im ländlichen Raum und im Süden des Landkreises gibt es Verluste zwischen sieben und fast neun Prozent. Spitzenreiter ist bedauerlicherweise Luckenwalde mit zehn Prozent. Obwohl wir hier einen besonders intensiven Wahlkampf führten. Der berlinnahe Raum schnitt bei den Verlusten etwas günstiger ab, obwohl ihre Stimmenanteile nicht an unsere Ergebnisse in den anderen Kommunen heranreichen.

Woran hat es also gelegen, dass wir besonders in den neuen Bundesländern, wie auch in unserem Wahlkreis diese hohen Verluste bei den Zweitstimmen zu verzeichnen hatten? Haben sich einige Maßnahmen der Brandenburger Regierung nicht positiv auf unser Wahlergebnis ausgewirkt? Ist auch die LINKE von der Parteienverdrossenheit betroffen? Diese Einschätzung bzw. Fragen teilen wir auch mit unserem Nachbarkreisverband Dahme-Spreewald.

Sicherlich hat die AfD mit ihrem populistischen Wahlkampf vielen Stimmen eingefangen. Doch wollten nicht viele WählerInnen mit ihrer Proteststimme auf die Probleme im Land aufmerksam machen und fühlten sich damit bei uns nicht mehr richtig aufgehoben?

All dies müssen wir tiefgreifend und ehrlich analysieren und die notwendigen Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Manfred Thier, Wahlkampfleiter der LINKEN in Teltow-Fläming

Auch wir sagen DANKE für einen engagierten Wahlkampf!

Dennoch: Unser Wahlziel, in Dahme-Spreewald ein vergleichbares Ergebnis zu dem des Jahres 2013 zu erringen, haben wir weit verfehlt.

Vorab: Es ist nur ein kleiner Trost, dass wir auf Bundesebene stabil blieben und an Zweitstimmen zulegten, aber einen Politikwechsel haben wir nicht erreicht. Zudem liegt DIE LINKE bedauerlicherweise deutlich hinter der AfD. Und es ist alarmierend: In unserem Wahlkreis 62 legte diese rechtspopulistische Partei um fast 15 % zu und wurde zweitstärkste Partei. Dem weiter anhaltenden rapiden Abwärtstrend im Osten auf 17,1 % und in Brandenburg auf 17,2 % (-5,3 %) konnten wir in unserem Wahlkreis nicht wirklich begegnen. Einige Maßnahmen der Brandenburger Regierung haben sich offensichtlich nicht positiv auf unser Wahlergebnis ausgewirkt.

Auch wir erzielten mehr Erst- als Zweitstimmen (0,6 %). Das widerspiegelt das souveräne, sachkundige Auftreten unseres Direktkandidaten Carsten Preuß. BesucherInnen seiner Veranstaltungen sagten uns immer wieder, dass sich seine überzeugenden Argumente deutlich von den Äußerungen anderer KandidatInnen abhoben. Die Verluste von sechs Prozent bei den Zweitstimmen für DIE LINKE sind erheblich, allerdings im Speckgürtel überwiegend nicht so groß: Eichwalde, Wildau und Zeuthen kamen bei Verlusten von 2,7 bis 3,3 % auf den 2. Platz (vor SPD und AfD).

In Königs Wusterhausen (KW) gab es Verluste von 6,1 %, Platz 3. Spekulationen helfen da nicht viel. Vielleicht lag es an den Medienberichten zu einer „zerrissenen“ LINKEN in KW? In Bestensee betrugen die Verluste über sechs Prozent, in Lübben über fünf Prozent. Das Gefälle zwischen Nord und Süd bleibt mit Ausnahmen also bestehen. Ebenso zwischen Stadt und Land. Die größten Einbrüche, zum Teil. zehn Prozent und mehr sind in den ländlichen Regionen zu verzeichnen.

Es gibt Lichtblicke bei mehreren Bürgermeisterwahlen. Sven Herzberger (Gemeinsam! Stark für Zeuthen) wurde mit 62,9 % neuer Bürgermeister von Zeuthen. In Wildau (Dr. Uwe Malich) und in Schulzendorf (Winnifred Tauche) gibt es am 15.10.2017 eine Stichwahl.

Letztlich ist einzuschätzen, dass auch die LINKE von der Parteienverdrossenheit betroffen ist. Wir zählen für Viele zu den Etablierten. Die Überalterung unserer Mitglieder engt den Wahlkampf auf immer weniger StreiterInnen ein. Erstmals haben wir flächendeckend die Materialien über professionelle Agenturen verteilen lassen. Die Plakatierung konnten wir diesmal noch allein stemmen. Wir müssen jetzt in Ruhe analysieren, wie groß unser Potenzial ist. Die Aufgaben werden nicht geringer. In 2019 stehen Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen an. Und die Gewinnung von neuen, jungen Mitgliedern wird drängender.

Unsere Partei hat seit 1990 Höhen und Tiefen erlebt. Die Mühen der Ebene werden nicht kleiner. Aber wir haben bewiesen, dass wir kämpfen können. Das werden wir auch künftig tun.

Wolfgang Grützmacher, Wahlkampfleiter der LINKEN in Dahme-Spreewald